Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht

im Deutschen Anwaltverein

Jobsharing: Was gilt rechtlich?

Zwei Arbeitnehmer, ein Arbeitsplatz – dem Jobsharing könnte die Zukunft gehören. Denn seine Flexibilität kommt vielen Menschen entgegen, vor allem Eltern können davon profitieren. Wie die Rechtslage dabei aussieht, zeigt die Deutsche Anwaltauskunft.

Auf den ersten Blick ist Jobsharing kompliziert. Wer arbeitet wann, wie laufen die Absprachen und noch viele andere Fragen tun sich auf. Aber sind die erst einmal geklärt, kann Jobsharing vor allem Eltern viele Vorteile bringen. Denn die große Flexibilität im Jobsharing und das Leben mit Kindern passen gut zusammen.

Auch die Wirtschaft sieht Vorteile im Jobsharing und bietet es immer öfter an, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln zeigt. Danach boten 2009 rund 20 Prozent aller Unternehmen in Deutschland Jobsharing für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. 2003 waren es erst neun Prozent. Eine gehörige Wachstumskurve also in Richtung Jobsharing.

Wie funktioniert Jobsharing?

Bei Jobsharing teilen sich zwei Arbeitnehmer eine volle Stelle und arbeiten jeweils in Teilzeit. Das besondere dabei: Die beiden Jobsharer können frei entscheiden, wann sie arbeiten, wie sie die Arbeit unter sich aufteilen und sich organisieren. Zwar gibt es dabei auch Grenzen, doch sind diese viel weiter gesteckt als bei anderen Arbeitsmodellen, die stark von Vorgaben des Arbeitgebers bestimmt sind.

Wer wann arbeitet und andere Fragen, die sich aus dem Jobsharing ergeben, regeln die Arbeitsverträge der beiden Jobsharer. Dabei bekommt jeder einen separaten Vertrag.

Vertretungsregelung beim Jobsharing

Jobsharer haben die Pflicht, sich zu organisieren und dafür zu sorgen, dass der Arbeitsplatz immer besetzt ist. Aber der eine muss den anderen nicht automatisch vertreten, wenn dieser mal krank ist oder Urlaub macht. „Vertreten muss der eine Jobsharer den anderen nur, wenn eine solche Vertretung im Arbeitsvertrag fixiert und auch zumutbar ist“, erklärt die Kölner Rechtsanwältin Dr. Nathalie Oberthür von der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

„Bei der Vertretung des einen Jobsharers durch den anderen kann der Chef auch Überstunden verlangen“, sagt Arbeitsrechtsexpertin Oberthür. „Allerdings nur, wenn auch das vertraglich festgelegt ist – so wie bei anderen Arbeitsverträgen auch.“

Was passiert, wenn einer der Jobsharer kündigt?

Löst sich das Job-Tandem auf und einer der beiden Jobsharer verlässt das Unternehmen, bleibt der Arbeitsvertrag des anderen davon unberührt. In einem solchen Fall sind verschiedene Szenarien denkbar: Der Arbeitgeber sucht einen Mitarbeiter, der auch Jobsharing machen will und den verlassenen Teil der Stelle übernimmt. Findet der Chef dafür niemanden, kann er sich mit dem verbliebenen Jobsharer darauf einigen, dass dieser die Stelle allein besetzt und wieder in Vollzeit arbeitet. „In diesem Fall müsste der Arbeitgeber eine Änderungskündigung auf Vollzeit aussprechen“, so Oberthür.

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Pressemitteilung vom 11.09.2014

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